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Bauwerk

Die evangelische St. Martinikirche Minden

Ein genaues Datum der Gründung von St. Martini ist zwar nicht überliefert. Vieles spricht jedoch für eine Datierung in die Amtszeit von Bischof Sigebert (1022 bis 1036) auf 1029.

An der Westwand des Chores erinnert ein Gedenkstein aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts an Bischof Sigebert, der St. Martini gegründet hat, und an Bischof Eilbert (1055 bis 1088), der die Kirche wahrscheinlich geweiht hat.

Die Reformation ist für Minden sehr genau zu datieren auf den Februar 1530. Damals war es rechtsverbindlich, dass der Rat einer Stadt bestimmte, welche Glaubensrichtung ihre Bürgerinnen und Bürger hatten - und der Rat der Stadt Minden beschloss im Februar 1530, dass Minden künftig evangelisch sein sollte. Als Kirche, in der die neue Kirchenordnung verkündet werden sollte, bestimmte der Rat St. Martini. So kam es, dass Nikolaus Krage, der später Mindens erster Superintendent wurde, Mitte Februar von der St.-Martini-Kanzel aus die im städtischen Auftrag verfasste Kirchenordnung verlas. Dabei handelte es sich nicht zuletzt auch deshalb um einen historischen Akt, weil dies die erste evangelische Kirchenordnung auf westfälischem Boden war, die für alle Bürgerinnen und Bürger einer Stadt verbindlich war. Wichtiger Bestandteil der Verordnung war der Beschluss, eine Lateinschule zu gründen: das heutige Ratsgymnasium. Minden war folglich auch die erste westfälische Stadt, in der nach der Reformation ein Evangelisches Gymnasium entstand.

Seit Krages Verkündigung der „Westfälischen Kirchen- und Schulordnung“ ist also für St. Martini das evangelisch-lutherische Bekenntnis christlichen Glaubens verbindlich. Zugleich ist St. Martini seit den Beschlüssen aus dem Februar 1530 „Ratskirche“ – d. h. vor den Ratssitzungen, die damals jeden Montag stattfanden, trafen sich die Ratsmitglieder zur Andacht in St. Martini. Bis in die Gegenwart hinein wird regelmäßig an diese Tradition angeknüpft: Heutzutage finden zwar die wöchentlichen Fraktionssitzungen im Rathaus statt, vor dem Parlamentarischen Abend, der einmal im Jahr stattfindet, kommen jedoch die Ratsmitglieder zu einem besonderen Gottesdienst in St. Martini zusammen.

Das heutige äußere Erscheinungsbild der Kirche geht im Wesentlichen auf den Umbau zur romanisch-gotischen Hallenkirche im Jahr 1338 zurück. Prägend war weiterhin der Einsturz des Turms 1385. Nach dem letzten Einsturz durch einen Blitzschlag im Jahr 1773 trägt der Turm ein Notdach.

Die Bombardierungen der Stadt im Zweiten Weltkrieg überstand die St. Martinikirche bis auf die Fensterverglasungen ohne größere Schäden. Die heutigen Fensterbilder im Chorraum stammen von Markus von Gosen. Sie entstanden 1953 und stellen das Apostolische Glaubensbekenntnis dar.
1957 richtete die Gemeinde eine Gedenkstätte für Kriegsopfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs ein.

Das Geläut der St. Martinikirche besteht aus vier Glocken. Die älteste von ihnen ist die „Johannesglocke“ von 1442. Sie stammt aus der Mindener Johanneskirche, die im Jahr 1810 säkularisiert wurde und in der heute das Kulturzentrum BÜZ untergebracht ist. Die so genannte „Moltkeglocke“ von 1871 des Generalfeldmarschalls Graf von Moltke kommt aus dem polnischen Ort Kreisau, dem früheren schlesischen Ort Gräditz. Diese Glocke wies der Hamburger „Glockenfriedhof“ 1951 der St. Martinikirche als Leihgabe zu. Zwei neue Glocken spendeten 1969 die Gemeinde, die Bürgerschaft und kommunale Behörden der St. Martinigemeinde.

Mehr zur Geschichte von St. Martini

Buch: Historische Betrachtung von Hans Nordsiek

1) Historische Betrachtung von Dr. Hans Nordsiek anlässlich
der Errichtung der Stiftung „Baudenkmal Ratskirche
St. Martini zu Minden“ am 17. 11. 2006
(Text Historische Betrachtung... von Hans Nordsiek zum Anklicken einbauen)

2) Buch „Ratskirche St. Martini.
Ein Jahrtausend Kollegiatsstift - Pfarrei - Gemeinde"